Montag, 15. Juni 2009

Ein Kaninchen names Pebbels

Es gibt nur wenig Tage, an denen ich nicht an den kleinen weißen Fellknäuel denken muss, den sich mein Freund vor zwei Jahren ins Haus geholt hat. Sozusagen über Nacht hat er entschieden, das er einen dieser süßen Hoppler im Zoo in der Straße zu sich holen will. Ein süßes Baby war sie, klein, weiß, naja wie eine Schneeflocke. Einer der vielen Namen, den wir uns für sie überlegt hatten. Für Weibchen einen Namen zu finden ist schwierig finde ich. Was stand noch zur Auswahl: Vera, Hilde, sowas in der Art. Mein Freund wollte einen dieser Oma-Namen für sie haben, das fand er lustig. Ich nicht, das sollte so garnicht in das Schema dieses kleinen tollpatschigen Wesens passen. Bis wir uns dann auf Pebbels einigten. Oder bessergesagt, richtig geeinigt haben wir uns nie, sie war dann einfach irgendwann Pebbels. Neugierig erkundete sie die kleine Welt, die mein Freund ihr erschaffen hatte. Das Sofa liebte sie (zu sehr, es war bald mit Pinkelflecken bedeckt) und naja, den Parkettboden hasste sie. Sie meidete die Mitte des Zimmers, ging immer am Rand entlang. Sie fürchtete auszurutschen, zog die Beine immer so lustig hinterher. Sie überquerte nie die Schwelle in das andere Zimmer, wie als ob sie wissen würde, dass dieses nicht mehr das Zimmer meines Freundes war. Manchmal rannte sie und ließ sich ganz plötzlich einfach umfallen, hinplumsen, wie wir es nannten. Das waren ihre Highlights. Schon bald bekam sie ihr eigenes Hasenklo. Nur leider mochte das nicht so richtig funktionieren. Sie streckte ihren Hintern immer so weit hoch, dass sie über die Kante hinaus an die Wand pinkelte. Nicht sehr sinnvoll. Einmal hatten wir sie auch in der Nacht frei herumhoppeln lassen, weil sie den ganzen Tag über eingesperrt war. Wir hatten keine Angst, dass sie Unfug machen würde oder irgendwo hochspringen würde. Als ich dann nachts zu meinem Freund sagte, das ich was weiches, felliges an meinen Füßen spürte glaubte er mir nicht. "Das bildest du dir nur ein, Pebbels kann nicht ins Bett springen, dafür ist sie noch viel zu klein". Ha, kann ich da nur sagen, denn Chris merkte schnell, dass unsere Pebbels längst bei uns im Bett war. Nur- zum Kuscheln war sie nicht gekommen, sie war -anders als wir- hellwach. Ein paar Mal setzten wir sie wieder auf den Boden, um dann zwei Minuten später wieder aufs Bett zu springen. Das war wie ein Spiel für sie. Am Morgen waren wie beide ziemlich müde... Ihre Erziehung erwies sich als sehr schwierig, wahrscheinlich war sie einfach unzureichend, laissez-faire würde man sagen. Wir haben sie schalten und walten lassen, sie war einfach zu süß. Anfangs habe ich noch versucht mich in ihre Erziehung einzumischen, aber mein Freund hörte nicht auf mich. Er nahm sie nie hoch, weil sie kein Bock darauf hatte, deshalb probierte er es recht schnell auch garnichtmehr aus. Das hatte zur Folge, das man sie nie normal einfangen konnte. Man musste sie scheuchen, manchmal war es eine richtige Hetzjagd an dessen Ende beide Beteiligten (Pebbels und Chris) ziemlich am Ende waren. Chris war nur noch genervt und schlecht gelaunt, während Pebbels anfing zu fauchen. Wusstet ihr das Kaninchen fauchen können? Es hat nicht lange gedauert, dass sich ein weiterer möglicher Erziehungsfehler eingeschlichen hat. Pebbels fing nachts an, an den Gitterstäben zu nagen, stundenlang wenn es sein musste. Ihr war langweilig und sie wollte raus. Anfangs hatten wir noch die Hoffnung, dass sie irgendwann müde werden und aufhören würde. Aber sie wurde nie müde. Viele Stunden Schlaf gingen uns dabei flöten. Die darauffolgenden Monate verbrachte Pebbels die Nacht im Nebenzimmer. Sie tat mir immer leid, aber was sonst hätte man tun sollen? Im Laufe der Zeit entwickelte sie sich zu einem sehr schwierigen, sturen und eigenwilligem Kaninchen. Mein Freund merkte schnell, dass sie nicht das Wesen war, das er sich gewünscht hatte oder sich nach der Art wie sie als Baby ausgesehen hatte benahm. Er hatte sich ein Kuschel-Kaninchen gewünscht, das immer lieb und nett war. Stattdessen war sie zu einer eigensinnigen kleinen Diva herangewachsen. Sie frass nicht alles was man ihr vorsetzte. Sie mied vieles beharrlich was ihre Artgenossen zu mögen schienen. Sogar Leckerlis, wie Salzsteine oder Joghurtdrops ließ sie unberührt. Ab und an bekam sie leichten Durchfall, was unsere Alarmglocken augenblicklich schrillen ließ. Man fing also an den Salat vorher gründlich zu waschen, wechselte das Trockenfutter, welches sie nicht eines Blickes würdigte. Sie frass also wie zum Trotz garkein Trockenfutter mehr bis wir ihr wieder das Alte kauften. Als sie dann zu guter Letzt auch noch anfing, die Hand von meinem Freund zu rammeln, war das Mas voll. Die wenigen Momente in denen sie sich ruhig auf Chris Bauch legte waren eine Seltenheit. Eine Lösung musste gefunden werden. Eine Umerziehung war in ihrem Alter nicht mehr möglich. Außerdem hatte mein Freund das Gefühl, dass sie zu wenig Aufmerksamkeit bekam und deswegen so schwierig war. Für ihn waren zwei Dinge klar: 1. Er liebte sie und 2. Sie musste weg- zu ihrem und zu seinem Wohl. Er fing an sich nach möglichen Interessenten umzuhören. Fragte in der Zoohandlung nach, in der sie geboren wurde. Lange ergab sich nichts. Ihr könnt euch denken, dass es mir als zart besaitetes weibliches Wesen das Herz brach, als ich erfuhr das mein Freund möglicherweise eine Lösung parat hatte. Oft endete das natürlich in Streit. Ich fand es egoistisch und unmöglich, das er jetzt, wo sie sich nicht als das perfekte Kaninchen herausstellte sich der Verantwortung entzog und den leichteren Weg wählte. Typisch männliches Verhalten wenn ihr mich fragt. Pebbels kam rasch weg, ohne das ich noch eine Chance hatte dies zu verhindern. In Neubiberg gab es einen Naturpark, indem Meerschweinchen und Hasen aufgenommen wurden. Ich durfte nichteinmal dabei sein, als sie eines Tages hingebracht wurde. Ich hatte ihm angeboten mit meinem Auto zu fahren, aber nein, stur wie er war, wollte er das nicht. Er brachte sie mit einem Freund in das bessere Heim für Kleintiere. Ich hab total rumgezickt an diesem Tag, selbst der Freund meines Freundes fand mich unmöglich. Aber das war mir egal. Ich war jetzt erstmal sauer. Zweimal habe ich die Kleine in ihrem neuen Zuhause besucht. Ich habe sie als sehr nervös und zerstreut empfunden und sie tat mir natürlich leid. Sie musste sich in ihrer immerhin Zweizimmerhütte erst einrichten. Wobei ich denke, dass es ein gutes Zuhause für sie ist. Mein Freund ist kein Unmensch, er hatte sich schon vergewissert ob sie es dort gut hatte. Es gab dort viele Kaninchen, wir hatten die Hoffnung, das sie schnell einen Gefährten finden würde oder raus ins große offene Gehege durfte. Wir haben sie jetzt fast ein Jahr nichtmehr besucht. Der Winter kam, die Zeit verging so schnell und ja: Man hatte ein schlechtes Gewissen. Das habe ich immer wenn ich an sie denke, obwohl nicht ich sie weggegeben habe. Ich hoffe so sehr, das es ihr gut geht, sie ein glückliches sorgenfreies Kaninchen ist. Ich nehme mir fest vor, sie bald zu besuchen, in Neubiberg, im Naturpark, fröhlich hoppelnd mit anderen Kaninchen. Und sollte sie nichtmehr da sein, denke ich positiv, dass sie bestimmt von einer netten Familie aufgenommen wurde. Liebe Pebbels, du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben, hab dich lieb, deine Mama.





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